Gesichter der EGBB – Dr. Ute Finckh-Krämer

Gesichter der EGBB - Dr. Ute Finckh-Krämer

Ute ist seit September Mitglied in unserer Energiegenossenschaft. Die diplomierte und promovierte Mathematikerin arbeitet seit 2000 als Referentin im Presse- und Informationsamt der Bundesregierung und zog zuletzt über die Berliner Landesliste der SPD in den 18. Deutschen Bundestag ein.

Als Mitglied der EGBB aber auch vieler weiterer Genossenschaften wie der BürgerEnergie Berlin eG, verrät uns Ute im Interview, warum es sich lohnt Mitglied in einer Energiegenossenschaft zu werden und sich nachhaltig und sozial gerecht zu engagieren.


Michael:
In den vergangenen Jahren hat sich ein positiver Trend gezeigt, dass sich Bürger immer stärker privat in die Erneuerbare Energien-Thematik einbringen, sei es durch die Errichtung eigener kleiner Energieanlagen oder das aktive Engagement in Energiegenossenschaften. Du selbst engagierst dich gleich in mehreren Energiegenossenschaften. Warum Energiegenossin werden?

Ute: Ich engagiere mich deswegen in Energiegenossenschaften, weil ich dezentrale Energieerzeugung sinnvoller finde als große Kraftwerke. Da Großinvestoren aber meistens in große Anlagen investieren wollen, müssen Bürgerinnen und Bürger als Kleininvestoren dafür sorgen, dass dezentral Energie in kleinen Anlagen erzeugt werden kann. Denn in der ganzen Energiedebatte werden die Energieverluste beim Stromtransport über große Strecken viel zu wenig berücksichtigt.

Genossenschaften finde ich deswegen unterstützenswert, weil alle GenossInnen unabhängig von der Zahl ihrer Anteile gleiches Stimmrecht haben. Damit lassen sich politische und ökonomische Interessen der Beteiligten oft besser ausbalancieren als bei Unternehmen, in denen das Stimmrecht von der Anzahl der Anteile abhängt.


Michael:
Wenn es um das Thema Erneuerbare Energien und die damit zusammenhängende Energiewende geht, herrscht derzeit große Verunsicherung in der Bevölkerung. Häufig reduzieren sich die Diskussionen auf wirtschaftlich und politisch motivierte Argumente, trotz der im Wesentlichen dringenden Herausforderung einer nachhaltigen Energieversorgung. Was ist dein Vorschlag für ein konstruktives Vorgehen in diesen Fragen?

Ute: Wenn Menschen – wie es derzeit beim Thema Erneuerbare Energien passiert – von Industrielobbygruppen gezielt verunsichert werden, ist es wichtig, auf funktionierende Beispiele zu verweisen. Also einerseits über bereits bestehende Energiegenossenschaften zu berichten, andererseits daran zu erinnern, dass Genossenschaften auch in anderen Bereichen Hervorragendes
leisten. Zum Beispiel als Wohnungsbaugenossenschaften.

Zusätzlich können wir darauf verweisen, dass deutsche IngenieurInnen schon viel schwierigere Probleme gelöst haben als die Integration erneuerbarer Energien in unser Stromnetz. Die meisten Menschen sind – zu Recht – stolz darauf, dass deutsche ForscherInnen und EntwicklerInnen Jahr für Jahr anspruchsvolle technische Probleme lösen. Daran lässt sich gut anknüpfen.


Michael:
Dein Engagement für Nachhaltigkeit und soziale Gerechtigkeit geht weit über Deine politischen Tätigkeiten hinaus. Was treibt Dich an und was ist Dir ganz persönlich wichtig?

Ute: Ich bin in einem christlichen Elternhaus aufgewachsen, das durch den Geist der Bergpredigt geprägt war. “Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung” lautet das Motto des konziliaren Prozesses, der seit gut 30 Jahren von Kirchen aus vielen verschiedenen Ländern des globalen Nordens und Südens getragen wird. Es ist ein gutes Gefühl, Teil einer weltweiten Bewegung zu sein.

Mir ist aber immer wichtig gewesen, bei allem Engagement auch Raum für Familie und Freunde zu behalten. Und dafür, mit anderen Menschen neue Ideen auszutauschen und zu diskutieren – was manchmal besonders spannend ist, wenn diese andere politische oder religiöse Grundeinstellungen haben als ich selber.


Michael:
Liebe Ute, ich bedanke mich, dass Du Dir die Zeit für unser Interview genommen hast und wünsche Dir weiterhin alles Gute und viel Erfolg und Schaffenskraft für deine anstehenden Aufgaben.

01. November 2013 von Michael Schulz
Kategorien: EGBB, Energiegenossenschaft, Gesichter der EGBB | Schlagwörter: , , , , , | Schreibe einen Kommentar

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